Ich stecke fest.
Im wahrsten Sinne des Wortes. Also, fast.
Ich habe den Fehler gemacht und Google Maps auf dem Weg zum Surfspot blind vertraut. Ich muss zugeben, die Strecke kam mir eh schon mehr als komisch vor – aber ich wollte ja unbedingt schnell zu den Wellen – und fuhr wie eine Wahnsinnige durch die kurvenreiche Bergstraße.
Der Spot versteckte sich gut und dann bog ich in meinem Wahn auch nochmal eigenständig falsch auf eine kleine Nebenstraße ab …
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Verzweifelt navigiere meinen Van durch die engen Gassen eines kleinen galizischen Bergdorfes – und zum ersten Mal habe ich wirklich Angst, stecken zu bleiben. Ich muss mehrfach zurücksetzen, damit ich die Kurven kriege.
Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit die Ausweg-Gasse finde, die auf die normale Straße zurückführt, graut es mir. Erster Gedanke: Schon ganz schön eng.
Und was hilft in solchen Situationen? Nennen wir es „angepasste“ Rationalität!
1. Straßen wurden für Autos gebaut (bei dieser sind wir uns zwar nicht ganz sicher, aber egal). 2. Es gibt Standards dafür, wie breit die Straßen sein müssen, damit ein Auto durchpasst (genau! In the Middle of Nowhere im spanischen Bergdorf vor allem). 3. Petit Bleu (der Van) ist ein normales Auto (was auch nicht ganz stimmt, aber wann sollte man sich selbst belügen dürfen, wenn nicht in solchen Situationen?). 4. Es stehen noch andere Autos in den Einfahrten, also muss es möglich sein (leider keine Vans, sondern eher Twingos, aber auch hier: egal).
Schlussfolgerung nach rationaler Auswertung und mehrfacher Begutachtung des Aus-Weges: Das passt.
Ich atme durch, gebe Gas und hoffe das Beste. Ich merke, wie Büsche und Lianen (Lianen, ganz typisch für spanische Bergdörfer …) den Van von allen Seiten streifen und wie ich mich intuitiv ducke … Mein armes Auto! OMG!
Ratsch hier, ratsch da … es ist knapp, aber es passt. Als ich wieder auf der normalen Straße bin, weiß ich selbst nicht, ob ich lachen oder weinen oder erstmal anhalten soll. Letzteres wäre wahrscheinlich sinnvoll.
In oder auch nach solchen Situationen kommt manchmal ein Moment, der sich anfühlt, als würde ich kurz „zur Besinnung“ kommen und die Absurdität des Moments in vollen Zügen realisieren.
Dann ergibt alles (in diesem Fall die Reise) absolut keinen und gleichzeitig den größten Sinn. Am Ende sind diese Situationen am ehesten mit Humor zu ertragen. Also fange ich laut an zu lachen.
Ich fahre weiter, erleichtert, dass Petit Bleu anscheinend keine größeren Schäden davongetragen hat und ich dem Bergdorf entflohen bin. Beobachter:innen hätten es wahrscheinlich als weitaus weniger dramatisch eingestuft.
Als ich mich wieder gefangen habe fällt mir wieder ein, was das Ziel der ganzen Aktion war: Wellen! Das Universium hat also ziemlich effektiv geregelt, dass meine Aufmerksamkeit von meinem „ich muss jetzt sofort zum Surf-Spot“ wieder auf die Straße und die Umgebung um mich herum gelenkt wird. Gutes Universum.
Die Wellen sind anschließend nicht die besten, aber ich bin einfach glücklich darüber, überhaupt im Wasser zu sein. Und Steckenbleiben ist zum Glück eines der wenigen Probleme, die im Atlantik eher nicht zu erwarten sind 😉
Enjoy
Tina
