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„Tudo bem?“: Über Hinfälligkeit.

Ich bin hingefallen.

Was sich anhört wie die Abenteuer-Beschreibung eines kleinen Kindes, hat mich etwas mehr aus der Bahn geworfen, als gedacht.

Vielleicht, weil ich länger nicht hingefallen bin. Vielleicht, weil es echt auch echt wehtat. Vielleicht aber auch, weil sich Hinfallen im Ausland als Alleinreisende irgendwie angsteinflößender anfühlt, als zuhause in Deutschland in gewohnter Umgebung. Was auch immer die gewohnte Umgebung ist.

Im Moment des Geschehens fühlte ich mich unglaublich allein und hilflos, um im nächsten Moment zu merken, dass ich es nicht bin. Denn als ich da auf dem Kopfsteinpflaster im portigiesischen Küstenstädtchen Ericeira saß und noch gar nicht realisiert hatte, was passiert war, hielt schon ein Auto. „Tudo bem?“, fragt die Frau – „Alles OK?“. Ich nicke, obwohl ich mir da nicht so ganz sicher bin.

Es ist vor allem der Kopf, der alle möglichen Horrorszenarien abspielt: „So eine Scheiße, hoffentlich ist nix gebrochen“, denke ich, denn ich bin nicht zu knapp umgeknickt und auf die Knie geflogen. Ich rappele mich auf und laufe langsam nach Hause, das geht immerhin ohne größere Schmerzen.

Zwangspause auf Reisen


Als ich am nächsten Tag eher aus Vorsicht eine Praxis aufsuche und die Krankenschwester mich abtastet, sagt sie „You’re fine, but you have to take it slow.“

Als ich diese Worte höre, kann ich die Tränen gerade nochmal wegdrücken. Denn ich spüre, dass es genau das ist, was ich brauche: Mal eine Pause.

Denn obwohl ich weiß, dass Unterwegssein, Routen planen, Campingplätze suchen, Forecasts checken, Wellen suchen, Essen organisieren, Alleinsein bewältigen, arbeiten und die ständig wechselnden Umgebungen Zeit und Nerven fressen und ich deshalb genügend Pausen und Routine-Tage einbauen muss, habe ich mich nicht daran gehalten.

Und wenn man sich nicht selbst darum kümmert, dreht man irgendwann ab (oder fällt hin).

Deshalb gehe ich nach dem Arztbesuch erstmal frühstücken – etwas, das ich mir nicht oft (genug) gönne. Danach verlängere ich den Campingplatz um ein paar Nächte (auch etwas, das ich nicht oft mache), gehe heiß duschen und setze mich in Ruhe an meine Arbeit. Es geht mir schon besser, ich merke, dass ich evtl. nicht nur körperlich etwas „hinfällig“ war.

Moment mal: Übers Innehalten und Dankbarsein


Das Krasse: Ich erinnere mich noch genau daran, was mir durch den Kopf ging, kurz bevor ich den Bordstein übersah: Wie unglaublich es ist, dass diese Reise möglich ist, wie toll Ericeira ist – und dass ich trotz der Anstrengungen auch wunderschöne Momente erleben darf.

Im nächsten Moment lag ich da.

Deshalb folgt dem Sturz noch eine bahnbrechende Erkenntnis: Es kann alles ganz schnell auch wieder anders sein.

Deshalb ist es wohl so wichtig, Dinge jetzt zu tun (und nicht erst irgendwann), auch kleine Momente zu wertschätzen und auch mal anzuhalten, sich umzuschauen und dankbar für das zu sein, was gerade da ist. Zusätzlich empfehle ich eine gute Auslands-Krankenversicherung 😉

Heute mache ich „Pause“ – was eher heißt, dass ich mal einen Tag mir selbst widme und Routine einkehren lasse. Ich nehme mir vor, öfter mal inne zu halten und mir die Frage „Tudo bem“? nicht nur häufiger mal selbst zu stellen, sondern auch ehrlich zu beantworten.

Wenn man hinfällt, ist eines wichtig: wieder aufzustehen. Das mache ich, und gehe (bzw. fahre) – langsam und vielleicht etwas bewusster – weiter.

Enjoy
Tina

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