Okay, ein Schritt vor den anderen, schön langsam … So zwingt mich der Wintereinbruch in Berlin mit Leichtigkeit zu dem, woran ich seit Jahren scheitere: langsamer machen.
Wie ein Michelin-Männchen, in zwei Lagen Pullovern plus Jacke, Leggings unter der Jeans, Schal, Kapuze und Handschuhen, die mich völlig unbeweglich machen, einer Sichtfeld-einschränkenden Kombi aus Mütze plus Kaputze und mit absolut ungeeigneten Turnschuhen, schliddere ich durch den Wintermatsch.
Eine Hand ist im Rutschfall bereit, mich auszubalancieren. Die andere zieht die Kapuze vors Gesicht, denn die nass-kalten Flocken wehen mir so dermaßen penetrant ins Gesicht, dass es wehtut.
Menschen frieren und fallen hin. Aber vor allem erlebe ich eines: Nervenaufreibende Ungeduld. Alle meckern, selbst ohne Blessuren. Es scheint, als würde Deutschland nur in schnell funktionieren.
Wir man unschwer erkennt, befinde ich mich nicht mehr im Süden. Eine Verletzung zwang mich zur Reisepause in Deutschland, denn ich brauche nicht mal Eisregen, um hinzufallen.
In Berlin bin ich allerdings freiwillig. Und das ist gut so, denn sonst wäre ich bei dem Wetter schon lange aus-ge-ras-tet. Zwar langsam (wegen der Kälte), aber es wäre passiert.
Der Winterblues sollte kein Ohrwurm werden
Das Ausrutsch-Risiko ist ungefähr so hoch wie von heute auf morgen einen Winterblues zu entwickeln, denn der Himmel ist noch grauer als man sich den Berliner Winterhimmel vorstellt.
Da hilft es natürlich wie immer möglichst viel Glitzer aufzutragen, aber sicherer ist es, sich zusätzlich ein paar kleine Highlights gegen die hartnäckige Dunkelheit einzubauen.
Nicht schwer, in einer Stadt der scheinbar unendlichen Möglichkeiten (und unendlichen Vorräten an Glitzer).
Ein Teil von mir wird immer noch (oder wieder) magisch davon angezogen – womit ich offensichtlich nicht alleine bin. So richtig verstanden habe ich es nicht, was genau mich so fasziniert (der Winter ist es auf jeden Fall nicht) – und damit habe ich den Zauber wahrscheinlich auch schon aufgedeckt.
Ich liebe vor allem die Vielfalt und die Möglichkeiten, die ich in Berlin habe. Das Über-Angebot.
Ich trinke Cappuccino mit Hafermilch und versorge mich mit Halloumi-Sandwiches und anderen Leckereien bis der Geldbeutel brennt (was erschreckend schnell geht haha), einfach weil ich es hier überall bekommen kann. Geil.
Ich genieße, dass ich mit der S-Bahn immer und überall hinfahren kann, ohne Parkplatzsuche, tanken oder Werkstatt-Terminen. Ein Traum.
Aus der warmen Bahn heraus beobachte die Sonne, wie sie untergeht und sich glitzernd in den Fassaden der hohen Häuser spiegelt (pünktlich um 15:00 Uhr wohlbemerkt). In der Ferne entdecke ich immer mal wieder der Fernsehturm. Beautiful!
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich fremde Sprachen höre (also quasi immer), über Französisch natürlich besonders. Magnifique!
Ich lese so viele Bücher, wie ich bekommen kann (in Berlin offensichtlich einige), da ich auf Reisen oft an meinen E-Reader gebunden bin. Ein Luxusproblem, aber der Geruch eines neuen Buches ist unbezahlbar!
Die Liste könnte ich noch lange weiterführen, aber ich denke es wird auch so klar, was die Autorin mitteilen möchte: Zu bemerken, wie viel Luxus wir eigentlich im Alltag genießen, zu beobachten, was davon einem besonders Freude bereitet und daraus schließlich kleine Highlights werden zu lassen, kann man trainieren. Vielleicht hilft es nicht immer gleich, aber es kann dabei unterstützen, die Stimmung zu heben. Nicht nur, aber besonders im Winter.
Bis bald – mit neuen Geschichten aus milderen Klimazonen 😉
Enjoy
Tina
